Corona-Pandemie setzt auch Rems-Murr-Kreis zu

Erstellt am: 17.10.2020 – Geändert am: 17.10.2020

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Die Corona-Pandemie hält die Welt, Europa und Deutschland in Atem. Zwar konnten die strengen Maßnahmen aus dem Frühjahr gelockert werden, Einschränkungen sind aber weiterhin gegeben. Und neue stehen zu befürchten, sollte sich das Infektionsgeschehen weiter beschleunigen. Gegenwärtig ist bei vielen wirtschaftlichen Indikatoren eine erste Erholungstendenz zu erkennen. Es darf jedoch nicht vernachlässigt werden, dass sich Deutschland und auch die Region Stuttgart nach wie vor in einer ernsten Wirtschaftskrise befinden.

Wie stark sich die Pandemie auf die Region Stuttgart auswirkt, lässt sich an verschiedenen Indikatoren festmachen. Ein regelmäßiger Status quo ist notwendig, um zukünftige Maßnahmen differenziert zu ergreifen. Eines steht fest: Ein erneuter Lockdown ist um jeden Preis zu verhindern. Es gilt maßgeschneiderte Lösungen zu entwickeln und zielgerichtet von der Pandemie stark betroffenen Branchen zu unterstützen. Einschränkungen sind soweit wie nötig umzusetzen und gleichzeitig ist die Freiheit soweit wie möglich zu erhalten. Nur so gelingt es Deutschland, wirtschaftlich, gesundheitlich und gesellschaftlich erfolgreich die Krise zu meistern.

Arbeitsmarkt

Von März (3,6 %) bis August (4,9 %) ist die Arbeitslosenquote in der Region Stuttgart um ein Drittel gestiegen. Rund 77.000 Beschäftigte sind arbeitslos gemeldet. Das sind mehr als 22.000 zum Vorjahresmonat. Insbesondere das verarbeitende Gewerbe ist vom Beschäftigungsabbau betroffen.

So wie die gesamte Region Stuttgart ist auch der Rems-Murr-Kreis von dieser Entwicklung betroffen. Zum Vorjahresmonat stieg die Arbeitslosigkeit im August deutlich an - 4,8 Prozent der Beschäftigten sind arbeitslos gemeldet. 2019 waren es nur 3,3 Prozent.

Kurzarbeit

Von März bis in den August hinein wurde aufsummiert für rund 622.000 Personen in der Region Stuttgart Kurzarbeit angezeigt. Somit war fast jeder zweite sozialversicherungspflichtige Beschäftigte davon bedroht. Zu Ende April befand sich tatsächlich jeder vierte in Kurzarbeit. Ab Mai haben sich die Zahlen sukzessive reduziert. Für den Monat August lag die angezeigte Zahl der Personen in Kurzarbeit bei 7.676 in der gesamten Region.

Auch im Rems-Murr-Kreis summierte sich die Zahl der Personen, die von Kurzarbeit bedroht waren, von März bis August 2020 auf mehr als 65.000 auf. Wie in der gesamten Region lagen die Anzeigen-Höchstwerte in den Monaten März und April. Der insbesondere in der Stadt Stuttgart sprunghafte Anstieg und mit Abstand größte Anteil an der aufsummierten Kurzarbeit von mehr als 210.000 Personen ist zum einen auf die überdurchschnittliche Betriebsgröße im Automotive-Sektor und zum anderen auf den hohen Anteil an Beschäftigten zurückzuführen.

Wirtschaftsleistung

Das reale Bruttoinlandsprodukt lag im 1. Quartal 2020 um 1,6 Prozent unter dem Vorjahreswert. Da es bereits im letzten Quartal 2019 eine rückläufige Entwicklung gab (-0,3 %), befindet sich die Südwestwirtschaft in einer Rezession.

Insbesondere das verarbeitende Gewerbe steckt in einer Krise. Bereits vor der Corona-Pandemie verringerten sich die Umsätze. Im April verstärkte sich diese Entwicklung mit einem Minus von 39,7 Prozent. Die Umsätze im ersten Halbjahr lagen insgesamt um 15,7 Prozent unter denen des Vorjahreszeitraums. Ein ähnliches Bild lässt sich auch bei den Auftragseingängen zeichnen: Vor der Corona-Pandemie war ein leichter Rückgang zu verzeichnen, der anschließend in einem Einbruch im April von 43,3 Prozent mündete. Jedoch setzte bereits im Mai ein spürbarer Aufholprozess ein. Getragen wurde dieser vom Inland. Dieser Prozess schwächte sich im Juli ab. Für den Zeitraum von Januar bis Juli lagen die Auftragseingänge um 13,7 Prozent unter denen des Vorjahreszeitraums. Auch die Produktion ist rückläufig. Um 15,4 Prozent liegt sie im ersten Halbjahr unter dem Vorjahreszeitraum. Auch hier war im April der stärkste Rückgang zu verzeichnen. Der Außenhandel ist durch stark eingebrochene Exporte ebenfalls unter dem Vorjahreswert. Bemerkenswert ist, dass Baden-Württemberg außer im April in den übrigens Monaten weniger starke Einbrüche zu verzeichnen hatte wie Deutschland insgesamt.

Insbesondere die in der Region Stuttgart stark verwurzelten Branchen Automobil und Maschinenbau sind von der Krise betroffen. Im Fahrzeugbau gingen die Umsätze im 1. Halbjahr um 25,9 Prozent zurück. Doch auch hier konnte die beschriebene Erholung beobachtet werden. Im Maschinenbau lag der Umsatzrückgang im ersten Halbjahr "nur" bei 16,8 Prozent zum Vorjahreswert.

Der Waiblinger Bundestagsabgeordnete Joachim Pfeiffer schaut mit gesunder Zuversicht auf die kommenden Monate. Es gibt jedoch noch einiges zu tun:

"Bundes- und Landesregierung haben in den letzten Monaten kurzfristig und umfangreich gehandelt. Das Kraftpaket gibt nun den konjunkturellen Schub. Gleichzeitig braucht es weiterhin strukturelle Reformen, um Unternehmen und Bürger zu entlasten. Mit Blick auf Herbst und Winter gilt es nun eine differenzierte Strategie zu entwickeln. Das gilt für zielgerichtetere Hilfen für insbesondere stark betroffene Branchen genauso wie für die konsequente Durchsetzung des Belastungsmoratoriums."

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